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Politischer Aschermittwoch: SPD-Landesvorsitzender stößt in Eggenfelden auf großen Zuspruch
von Gerd Kreibich
Politischer Aschermittwoch in Eggenfelden: Über viele Jahre ist das eine Traditionsveranstaltung gewesen, jetzt fand dieser politische Abschluss der Faschingszeit wieder einmal statt und hat offensichtlich noch Anziehungskraft: Eine ansehnliche Zahl von Besucherinnen und Besuchern hatte sich im Saal des Unterwirts eingefunden, um sich vor der Kommunalwahl noch einmal vermitteln zu lassen, warum es für die Region besser sei, die SPD zu wählen.
Dazu gab es dann auch noch etwas Bundespolitik und Musik vom bekannten Liedermacher Marcus Donat und einen nachdenkenswerten Einwurf von Schauspieler und Regisseur Christian Lex.
Mit einer großen Portion Ironie hatte stellvertretender Ortsvorsitzender Thomas Asböck seine Begrüßung „gewürzt“, er freue sich, dass die SPD „Ideengeber“ für die CSU im aktuellen Wahlkampf sei, der Slogan „Ein Team für Eggenfelden“ sei schon vor sechs Jahren von der SPD erfunden worden, aber es stehe der CSU natürlich frei, mit der SPD zusammen im Team für die Stadt zu arbeiten. Angemerkt wurde von ihm auch, dass man beim politischen Mitbewerber zwar in Hochglanzbroschüren eine Menge Kandidatengesichter zu sehen bekomme, aber: „Politische Aussagen und Ziele – da gibt es leider nur Fehlanzeige“. Sollte die CSU hier Bedarf haben, dann könne sie sich jederzeit an die SPD wenden, denn die stelle das „wahre Team für Eggenfelden“.
„Gegenstück zur großen Bühne“
Als Gastredner aus der Bundespolitik war der Co-Vorsitzende der Bayern-SPD und Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff nach Eggenfelden gekommen. Er stellte die Veranstaltung beim Unterwirt als „Gegenstück zur großen Bühne in Vilshofen“ dar: Dort sei „die Show-Bühne“, hier dagegen „die Herzkammer“, ein Ort, an dem Politik näher bei den Menschen sei. Die Arbeit der Sozialdemokratie gerade in strukturell konservativen Regionen bezeichnete er augenzwinkernd als „keinen Wellness-Urlaub, sondern Charakterschule“ und würdigte damit das Engagement der örtlichen Parteimitglieder.
Politisch warb Roloff für eine Politik des Kümmerns statt öffentlicher Inszenierung. Viele Menschen hätten das „ewige Fingerzeigen“ satt und erwarteten konkrete Lösungen für ihren Alltag. Kritik übte er an wirtschafts- und sozialpolitischen Vorschlägen aus Bayern, etwa an Überlegungen zur Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Wer Beschäftigte unter Generalverdacht stelle, gefährde den sozialen Frieden. Stattdessen müsse der Staat wieder stärker in Infrastruktur, Bildung und öffentliche Einrichtungen investieren – „das ist nicht irgendeine Zahl im Haushalt, das ist der Asphalt, auf dem ihr fahrt, und die Schule, in der unsere Kinder lernen“.
Eder: Alle haben geholfen, nicht nur der Landrat
Mit Blick auf internationale Krisen und den Aufstieg populistischer Kräfte rief Roloff zu demokratischem Engagement auf. Gerade auf kommunaler Ebene entscheide sich, ob Politik Vertrauen zurückgewinne: „Da geht es nicht um die große Weltpolitik, sondern darum, ob sich vor Ort jemand kümmert, so Roloff.
Auf die Kommunalwahlen ging SPD-Unterbezirksvorsitzender Severin Eder ein. Er sparte nicht mit Kritik, vor allem an politischen Mitbewerbern im Landkreis, und meinte mit Blick auf den Wahlkampf, bei manchen Auftritten der Konkurrenz bleibe „eigentlich nur noch Kopfschütteln“. Eder warf ihnen vor, stärker auf Wirkung nach außen als auf belastbare Inhalte zu setzen, und kritisierte Widersprüche zwischen angekündigten Sparbemühungen und neuen Ausgabenversprechen ohne klare Finanzierung. Zugleich betonte er, dass kommunale Politik immer Gemeinschaftsarbeit sei und große Projekte nie das Werk Einzelner gewesen seien. „Das war Teamarbeit – keine One-Man-Show“, stellte Eder klar. Die SPD wolle deshalb nicht mit persönlichen Angriffen, sondern mit Sacharbeit, Verlässlichkeit und konkreten Konzepten überzeugen.
Nicht mitmachen beim „allgemeinen Draufhauen“
Spitzenkandidat Benjamin Lettl machte klar, dass, auch wenn das CSU und Freie Wähler so vormachen, die SPD nicht mitmachen wolle beim „allgemeinen Draufhauen“ am Politischen Aschermittwoch, „für uns ist das eine Stilfrage“. Doch Kritik müsse erlaubt sein, auch in der Kommunalpolitik: Es sei nicht nachvollziehbar, dass Bürgermeister Martin Biber sich in den sozialen Medien so inszeniere, als sei es sein Verdienst, dass die Mertseebrücke fertiggestellt wurde, „dies und vieles andere, für das sich der Bürgermeister feiert, waren einstimmige Beschlüsse im Stadtrat, die hätten im Wahlkampf nichts verloren.
Einen bemerkenswerten Einwurf gab es dann von Schauspieler und Autor Christan Lex zu hören. Er forderte dazu auf, Haltung zu zeigen in einer Zeit, in der die AfD immer stärker wird, denn: „Nichts auf der Welt rechtfertigt es, eine Rechtsaußen-Partei zu wählen“, machte er klar. Kritik an der Politik dürfe in der Demokratie geübt werden, gerade, weil dies die Demokratie auch ausmache, aber: Den demokratischen Konsens, das Festhalten an der freiheitlichen Demokratie und ihren Werten – das dürfe niemals in Gefahr kommen.
(Ein Artikel des Rottaler Anzeiger, 21.02.2026)