(c) Holger Becker, PNP
Eggenfelden. Die Eggenfeldener SPD hat am Sonntag im Unterwirt in Gern ihre Kandidatenliste für die Stadtratswahl 2026 nominiert. Dabei hatten die Mitglieder durchaus Diskussionsbedarf. Um zwei Positionen für weibliche Kandidatinnen wurde „gerungen“ und zwei Positionen blieben frei. Somit geht die SPD mit 22 statt 24 Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen.
„Es ist wichtig, dass wir eine starke Fraktion bleiben. Die SPD war immer entscheidend für Mehrheiten bei Abstimmungen im Stadtrat und hat wesentlich zur Stadtentwicklung beigetragen“, gab Ortsvorsitzender Benjamin Lettl zu Beginn der Aufstellungsversammlung die Zielsetzung für den Wahlkampf vor. Beim letzten Mal hatte die SPD vier Mandate errungen. Ihm sei wichtig zu betonen, dass man in den städtischen Ausschüssen keine Posten durch vorherige Versprechungen erhalten habe.
(Ein Bericht des Rottaler Anzeiger, 10.12.2025)
Ein Drittel gehört nicht der SPD an
Erfreut zeigte sich Lettl, dass die SPD-Liste für die anstehenden Kommunalwahlen mehr Frauen als Männer aufweise: „Das ist eine positive Entwicklung.“ Ein Drittel der Kandidaten gehört nicht der SPD an.
Anschließend ging es an die Abstimmung über die laut Lettl von der Vorstandschaft aufbereitete und mit den Kandidatinnen und Kandidaten abgesprochene Liste, wobei über jede Position einzeln abgestimmt wurde, „um es so demokratisch wie möglich zu machen“, erklärte der Ortsvorsitzende.
An der Spitze der Liste steht Lettl selbst, hinter ihm reiht sich Renate Heberinger ein, die seit 1996 für die SPD im Stadtrat sitzt. Auf Platz 3 rangiert mit Christian Berg der Urenkel des einstigen Eggenfeldener Bürgermeisters Lorenz Fichtner (1946 bis 1948).
Diskussionsbedarf bei zwei Positionen
Diskussionen gab es dann um Platz 4, auf dem Sophia Lüttwitz positioniert war. Sie saß bis 2020 für die Grünen im Stadtrat, wechselte dann zur SPD, für die sie bei den letzten Kommunalwahlen auch kandidierte, aber knapp scheiterte. Hülya Adigüzel stellte die Frage, ob nicht eine andere, engagierte SPD-Frau Ambitionen habe, auf Platz 4 zu kandidieren. Benjamin Lettl brach eine Lanze für Lüttwitz: „Mit Martin Roiner und Johanna Leipold kandidieren zwei Stadträte nicht mehr. Wir müssen also 5000 Stimmen ersetzen“, so Lettl. Die Vorstandschaft traue Lüttwitz zu, erneut viele Stimmen zu holen. Letztlich stimmten die Mitglieder ab: Lüttwitz bleibt (mit einer Gegenstimme) auf Position 4.
Eine Besonderheit gibt es bei der SPD dann auf Platz 6: Hier kandidiert Nathalie Edmaier, die eigentlich Mitglied bei „Die Linke“ ist, die nicht mit einer eigenen Liste bei der Stadtratswahl antritt. Auf der Liste befindet sich mit Christian Lex auf Platz 19 auch ein prominenter Kandidat: Der Schauspieler und Regisseur, so erläuterte Lettl in Lex’ Abwesenheit, wolle damit Flagge für die Demokratie und gegen Rechts zeigen.
Einen Wechsel der Positionen gab es zuvor noch auf Rang 10: Hier war eigentlich Zeinab El Assad vorgesehen, mit 10:1 Stimmen wurde aber Hülya Adigüzel in geheimer Wahl für den 10. Platz nominiert. El Assad nimmt dafür Adigüzels eigentliche Position 12 ein.
Lettl: „Lieber Mut zur Lücke“
Die Kandidaten hatten auch die Gelegenheit, sich und ihre Ziele kurz vorzustellen. Renate Hebertinger begründete ihre erneute Kandidatur mit der Aussage, dass es im Stadtrat eine „soziale Stimme“ brauche. Die Themen der anderen Kandidaten reichten von Öffentlichem Personennahverkehr (Thomas Asböck) über Politik für die Jugend (Dr. Günter Toth und Oriana Paola Tallevi) und eine autofahrerfreundlichere Verkehrspolitik in Eggenfelden (Peter Fiedler) bis hin zur Forderung, den Bürgern die Politik wieder erklärbarer zu machen (Madelaine Strasser).
Einstimmig votierten die anwesenden Mitglieder in geheimer Wahl für die zuvor einzeln abgestimmte Liste. Dass sich nur 22 und nicht 24 mögliche Kandidaten darauf befinden, befand Benjamin Lettl nicht als tragisch. Es sei heutzutage nicht leicht, Leute für ein kommunalpolitisches Engagement zu finden, daher: „Lieber Mut zur Lücke“, meinte er. Vor der Möglichkeit einer Dopplung von Kandidaten auf dem Wahlzettel, die theoretisch möglich wäre, warnte Lettl: „Es besteht die Gefahr, dass Wähler einem Kandidaten dann zweimal Stimmen geben und der Wahlzettel dann ungültig ist.“ Die Versammlung entschied einstimmig, darauf zu verzichten und die Liste bei 22 Kandidaten zu belassen. Ebenso einstimmig wurde eine Listenverbindung mit anderen Gruppierungen ausgeschlossen. Angesprochen auf das Angebot der Grünen zu einer Zusammenarbeit im Wahlkampf meinte Lettl auf Anfrage der Heimatzeitung: „Wir befinden uns in guten Gesprächen.“
Lettl nutzte die Versammlung auch, als Kandidat für den Posten des Landrats in eigener Sache zu werben. Das Miteinander im Kreistag müsse sich ändern, vor allem müssten Themen wie die Kreisumlage vorher mit den Bürgermeistern abgesprochen werden, um diese für die Kommunen möglichst tragbar zu gestalten. Lettl kritisierte zudem bislang nicht umgesetzte Beschlüsse, etwa den Neubau des Jugendferiendorfes in Simbach, die immer wieder auf die lange Bank geschoben würden. Beim Thema Kreisentwicklung müsse man mutiger sein, es fehle zum Beispiel an einem Tourismus- und Verkehrskonzept.
Die Kandidaten
Eingangs hatte stellvertretender Ortsvorsitzender Thomas Asböck die Begrüßung und Erläuterung der Formalien übernommen. Die Schriftführung oblag Sven Oswald (Mitterskirchen). Für den Wahlausschuss der Stadt wurde Johanna Leipold gewählt, Ersatz ist Karl Heinz Spitzendobler. Die Einreichung der Liste übernimmt Norbert Fichtner, Ersatzmann ist Rupert Grubwinkler.
Die Kandidaten der SPD für die Stadtratswahl: 1. Benjamin Lettl, 2. Renate Hebertinger, 3. Christian Berg, 4. Sophia Lüttwitz, 5. Dr. Günter Toth, 6. Nathalie Edmaier, 7. Thomas Asböck, 8. Madelaine Strasser, 9. Peter Fiedler, 10. Hülya Adigüzel, 11. Markus Stalhofer, 12. Zeinab El Assad, 13. Erhan Adigüzel, 14. Anna August, 15. Konrad Aigner, 16. Marina Kapcak, 17. Peter Kastenhuber, 18. Tina Mann, 19. Christian Lex, 20. Oriana Paola Tallevi, 21. Ulrike Scholz, 22. Cilly Saydl.