Ausstellung „Links und frei“ in der Stadtbibliothek beleuchtet Geschichte der SPD
Eggenfelden. Eine Ausstellung mit dem Titel „Links und frei“ ist derzeit in in der Stadtbibliothek zu sehen. Ihr Thema ist die Geschichte der SPD, gleichzeitig ist sie aber auch eine Art Rundgang durch die Geschichte der Demokratie in Deutschland. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Dieser Bezug zur Geschichte der Bundesrepublik war einer der Gründe, warum der „Hausherr“ der Stadtbücherei, Bürgermeister Werner Schießl, die Zustimmung zum Ausstellungsaufbau, wie er betonte, „ohne Zögern und sehr gerne“ gegeben hat. Die Parteien seien ein wichtiges Merkmal der Demokratie, betonte Schießl in seinem Grußwort. Das Mehrparteiensystem sei es gewesen, das Deutschland gesellschaftlich und politisch insbesondere nach der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur nach vorne gebracht habe.
Benjamin Lettl, stellvertretender SPD-Ortsvorsitzender, schrieb bei der Ausstellungseröffnung seiner Partei auch ein paar durchaus kritische Worte ins Stammbuch. Selbst im pädagogischen Bereich beruflich tätig, kritisierte er den Slogan „Fördern und fordern“, der in der Ära des Kanzlers Gerhard Schröder zum Begriff wurde. Der Grundsatz „Gut ist, was Arbeit schafft“ müsse endlich aus den Köpfen verschwinden, denn: „Nur mit einer fairen Entlohnung dient die Arbeit dem Wohl der Menschen“. Reichtum müsse in der Gesellschaft wieder gerechter verteilt werden: „Ein Wirtschaftswachstum muss bei jedem Menschen in der Gesellschaft ankommen und darf nicht nur den Wohlhabenden zu Gute kommen“.
Der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Bernhard Hebertinger, beleuchtete in seinem Grußwort das nicht immer leichte und ungetrübte Verhältnis zwischen SPD und Gewerkschaften. Für Hebertinger sind sie „zwei, die nicht voneinander lassen können, weil sie einander brauchen“. Dies habe sowohl bei der Verfolgung politisch Andersdenkender im Dritten Reich gegolten, unter der Partei und Gewerkschaften gemeinsam zu leiden hatten, als auch für die Diskussionen in der Zeit der Großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel, als gegen den erklärten Willen der Gewerkschaften von der SPD die Rente mit 67 initiiert wurde.
Der Partei riet Bernhard Hebertinger, wieder verstärkt zu ihren Grundwerten zurückzukehren. Ein flächendeckender Mindestlohn, der Kampf gegen Lohndumping und den Missbrauch der Leiharbeit – dies müssten ureigenste Aufgaben der SPD sein.
Harald Zintl, Leiter des Regionalbüros Regensburg der Friedrich-Ebert-Stiftung, stellte die Inhalte der Ausstellung vor. Sie orientiert sich nicht nur an bekannten Personen, sondern vor allem an den jeweiligen Grundsatzprogrammen der SPD. „In der Geschichte demokratischer Parteien, insbesondere der deutschen Sozialdemokratie, spielen Parteiprogramme eine wesentliche Rolle“, so Zintl. Programme seien nicht nur „Reflex bereits vollzogener theoretischer Entwicklung“, sondern geben ihrerseits wieder Anstöße für zukünftige Debatten. „Ein Programm kann unterschiedliche Parteiflügel integrieren und damit die Einheit bewahren. Es kann nach gravierenden politischen Veränderungen, Misserfolgen oder Niederlagen helfen, Rückbesinnung zu ermöglichen und neues Selbstbewusstsein aufzubauen“, unterstrich Zintl.
Die Ausstellung schaffe anhand der Programme einen Überblick über den Weg der SPD von einer proletarischen Klassenpartei zu einer reformorientierten Volkspartei. Deutlich werde auch, dass Parteiprogramme für Sozialdemokraten „stets die moralische Grundlage ihres politischen Handelns formulieren und dass die SPD dabei der Leitlinie folgt: dem Streben nach Freiheit, die durch soziale Gerechtigkeit ermöglicht wird und die sich in Solidarität bewährt“.
Einig waren sich die Gäste der Eröffnung, dass die Ausstellung „Links und frei“ auch für Schulklassen interessant wäre. Besichtigt werden kann sie bis 31. Mai während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek.
(Quelle: Rottaler Anzeiger, 18.05.2011)