Das politische Gen vom Vater geerbt

Veröffentlicht am 25.05.2011 in Ortsverein

Martha Swoboda (© Rottaler Anzeiger)

Martha Swoboda seit 65 Jahren SPD-Mitglied − „Eine Partei ist nur so stark wie die Menschen, die ihre Ziele teilen“

Eggenfelden. Wenn der SPD-Ortsverein kommenden Samstag sein 100-jähriges Bestehen feiert, dann begeht auch Martha Swoboda ein besonderes Jubiläum: 65 Jahre lang ist sie schon SPD-Mitglied. Und auch wenn sich in dieser Zeit vieles verändert hat, ist die vitale Seniorin bis heute eine überzeugte Sozialdemokratin.

Dabei trat sie als Tochter eines aufrechten SPDlers in jungen Jahren nur mit Widerwillen in die Partei ein. Es war kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, im Oktober 1945, als in Eggenfelden der SPD-Ortsverein wiedergegründet wurde − übrigens als dritter in Westdeutschland. „Allein schon das Wort ,Partei‘ erzeugte bei jungen Menschen seinerzeit Ablehnung und Skepsis“, erinnert sich die heute 83-Jährige. Die Kriegsjahre, der Gruppenzwang beim Bund Deutscher Mädel oder der Hitlerjugend, die ständigen Lügen während der Nazi-Zeit − all das hatte Spuren hinterlassen.

Es war keine Bitte, die ihr Vater Alois Höger da an sie richtete, es war mehr ein Befehl, wie sich Martha Swoboda erinnert: Sie, gerade erst 17 Jahre und zehn Monate alt, sollte Mitglied des neuen SPD-Ortsvereins werden. Aufgrund der Gesetze der Militärregierung brauchte man zur Wiedergründung einer Partei Bürgen. 15 Unterschriften waren nötig − „und eine davon sollte meine sein“, erinnert sich die gelernte Schneiderin, die damals gerade ihre Ausbildung absolvierte.

Wenn man die resolute Frau heute so reden hört, kann man sich gar nicht vorstellen, dass sie sich gegen ihren Willen zu so einem Schritt überreden ließ. „Aber Sie dürfen nicht vergessen, es war mein Vater, er wollte das, und ich gehorchte ihm.“ Also war die knapp 18-jährige Martha live dabei, als Alois Höger zusammen mit Fritz Hörauf und Lorenz Fichtner den SPD-Ortsverband wieder aufbaute und auch, als ihr Vater an den Wochenenden als Redner das Rottal „rauf und runter gefahren“ ist. Wenn er da so in den Wirtsstuben über politische Hintergründe und über die Entwicklung hin zum Nationalsozialismus referierte, da imponierte ihr das aber doch. „Mein Vater hatte sich autodidaktisch ein umfangreiches Wissen angeeignet.“

Bei den Kollegenals „Rote“ bekannt Die goldenen Zeiten der SPD in Eggenfelden, die viele Jahre den Bürgermeister und die Stadtratsmehrheit stellte, bekam Martha Swoboda nur am Rande mit. 1947 zog sie nach München und kehrte erst im Jahr 2000 zurück in die Heimat. In dieser Zeit kam sie zwar ab und an zu Besuch nach Eggenfelden, wirklich interessiert an den kommunalpolitischen Verhältnissen sei sie aber nicht gewesen, wie sie unumwunden zugibt.

Der Partei blieb die fleißige Frau aber auch in München treu. Als alleinerziehende Mutter schlug sie sich in der Großstadt durch, brachte Kindererziehung, Haushalt und Job unter einen Hut − und fand dabei auch noch Zeit, sich politisch zu engagieren. Bei den Kollegen in der Bank, Martha Swoboda hatte in der Zwischenzeit ihren Beruf gewechselt, war sie als eine „Rote“ bekannt. An Informationsständen machte sie Werbung für die Partei, trug in aller Frühe, noch vor Arbeitsantritt, Wahlwerbung aus, kandidierte sogar einmal auf einer Münchner SPD-Stadtratsliste. „Natürlich ohne Erfolg“, wie sie gleich hinzufügt, „ich hatte nicht die Publizität, dass ich hätte gewählt werden können.“

In der Mittagspause schnappte sich die politisch interessierte Frau immer die „Süddeutsche“, um auf dem Laufenden zu bleiben. Eine halbe Stunde musste reichen, mehr Zeit hatte sie nicht für die Lektüre. Heute, als Rentnerin, kann sie in Ruhe den Rottaler Anzeiger studieren − und das tut sie auch.

Dass sie beim Pressetermin über ihrer Bluse einen roten Pullunder trägt, ist übrigens Zufall, wie sie sagt: „Mir war heute Morgen einfach kalt, deswegen habe ich ihn übergezogen.“ Sich selbst bezeichnet Martha Swoboda als eine überzeugte Sozialdemokratin − „aber im Sinne einer Zeit, wo man sich noch für die Arbeitenden einsetzen musste“. Die Ziele nach Gerechtigkeit und Freiheit seien heute leider nicht mehr so stark ausgeprägt wie damals, als sie die SPD kennenlernte. Das nimmt sie den Genossen, die verantwortungsvolle Posten bekleiden, noch nicht mal übel. „Ich führe diesen Zustand eher auf die heutigen Lebensumstände zurück“, sagt die 83-Jährige.

Unerfreuliche Mehrheitsverhältnisse Unerfreulich, ja sogar miserabel findet sie die Mehrheitsverhältnisse im Eggenfeldener Stadtrat, wo die SPD bei der letzten Kommunalwahl nur noch fünf Mandate holte. „Markantes zu gestalten oder tiefgreifende Veränderungen durchzusetzen, das geht schlicht und ergreifend nicht mehr.“

Auch wenn sie sich als ein einfaches Parteimitglied betrachtet, so merkt man der rüstigen Dame doch an, dass sie nach 65 Jahren Zugehörigkeit noch mit Feuereifer bei der Sache ist. Davon zeugen nicht nur die regelmäßigen Teilnahmen an Versammlungen, sondern auch der Mut, Missstände anzusprechen. „Eine bessere Zukunft kommt nicht von selbst, und eine Partei ist nur so stark wie die Menschen, die ihre Werte und Ziele teilen oder unterstützen.“




Über die Neuigkeiten in der Politik informiert sich Martha Swoboda täglich bei einer ausführlichen Lektüre der Heimatzeitung. Dass sie beim Pressetermin einen roten Pullunder trägt, ist übrigens Zufall, wie sie sagt. „Mir war einfach kalt heute Morgen.“  − Foto: B. Huber




(Quelle: Rottaler Anzeiger, 09.05.2011)

 
 

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