SPD kürt Benjamin Lettl einstimmig zum Landratskandidaten in Rottal-Inn

Veröffentlicht am 20.10.2025 in Kommunalpolitik

Freude nach der einstimmigen Wahl: (von links): SPD-Kreisvorsitzender Severin Eder, Andrea Freund, Stefan Lehner, Monika Müller-Rampmaier, Ex-MdL Bernhard Roos, Alfred Feldmaier, Landratskandidat Benjamin Lettl, Christian Thiel, Thomas Asböck, Philipp Konrad, Rainer Niedermeier und Renate Hebertinger. (Foto: SPD)

Die SPD schickt Benjamin Lettl als Kandidaten für die Wahl des Landrats ins Rennen. Die Delegierten signalisierten ihm bei der Nominierungsversammlung am Samstagvormittag im Gasthaus Unterwirt in Eggenfelden-Gern mit einem einstimmigen Votum ihre volle Rückendeckung. Nach Larissa Hausberger (Grüne) ist der 38-jährige Suchttherapeut nun der zweite offizielle Aspirant auf den Chefposten im Landratsamt bei den Kommunalwahlen am 8. März 2026. 

(Ein Bericht von Sebastian Fleischmann,
Passauer Neuen Presse/Rottaler Anzeiger, 20.10.2025)

Mit einer sehr persönlichen Rede, beginnend in seiner Kindheit im Rottal, zeigte Benjamin Lettl, welche Schwerpunkte er als Landrat setzen wollen würde. Geboren in München, sei er von einem Rottaler Ehepaar adoptiert worden und in Gern aufgewachsen. Hier sei ihm vieles ermöglicht worden, etwa der Besuch des Gymnasiums. Er betonte, dass es Kinder sich aber eben nicht aussuchen könnten, in welche Familie sie hineingeboren würden.

Lettl brach dabei eine Lanze für die Chancengleichheit: Wichtig sei es ihm, dass jeder im Landkreis die Chance habe, das Schwimmen lernen können, und dies an ausreichend Badeanstalten und -orten, nannte er ein Beispiel. Kindern solle zudem der Schulbesuch möglichst ortsnah ermöglicht werden. Während es in so mancher Gemeinde nicht mehr oder nur noch teilweise genutzte Schulhäuser gebe, die aber in gutem baulichem Zustand seien, würden die Schülerzahlen am städtischen Schulzentrum in Eggenfelden immer weiter wachsen, für viele verbunden mit entsprechenden Fahrzeiten.

Funktionierender ÖPNV als Ziel

Wichtig seien ihm auch die Chancengleichheit von Mann und Frau sowie ein funktionierender ÖPNV im Landkreis. Hier gelte es, im Gespräch mit allen Beteiligten, bessere Lösungen zu finden. Zu stärken gelte es obendrein das vielfältige ehrenamtliche Engagement im Landkreis.

Auch er könne freilich nicht versprechen, als Landrat alles im Alleingang zu richten. Er verspreche aber, einen anderen Politikstil als den aktuell vorherrschenden zu pflegen. Er lege etwa Wert auf eine Verständigung auf Augenhöhe mit den 31 Städten und Gemeinden im Landkreis, mit ihm würde es hier kein Gegeneinander oder einen Informationsfluss per „Salamitaktik“ geben.

Personalgespräche nicht als „Spießrutenlauf“

„Ich weiß, wo ich hingehöre“, sagte Lettl an Parteikollege Thomas Asböck gerichtet, der auch DGB-Kreisvorsitzender ist. Sollte er am 1. Mai 2026 das Amt des Landrats antreten, würde er an diesem zuvor trotzdem an der traditionellen Kundgebung der Gewerkschaften an diesem Tag teilnehmen.

Wichtig sei ihm auch ein offener Umgang mit den Mitarbeitern am Landratsamt. Mit ihm würden Personalgespräche „nicht zum Spießrutenlauf“. Er wolle eine zugewandten Führungsstil pflegen, Entscheidungen sollten letztlich im Zweifelsfall stets zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger getroffen werden. Im Gespräch mit der Heimatzeitung kündigte der 38-jährige an, auch wieder für den Kreistag zu kandidieren, nachdem er sich 2024 aus dem Gremium zurückgezogen hatte.

Wahlkampfthemen von medizinischer Versorgung bis zum Kulturleben

Die Themen für den Wahlkampf der Kreis-SPD hatte zuvor bereits Kreisvorsitzender Severin Eder skizziert. Wichtig seien etwa eine gute ärztliche Versorgung in der Fläche und starke Krankenhäuser, sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze, lebenswerte Dorfkerne und Innenstädte, eine nachhaltige Wirtschaftsweise, speziell im Energiebereich, gute Rahmenbedingungen für Familien, speziell Betreuungsplätze, sowie ein lebendiges Kulturleben.

Benjamin Lettl attestierte er. die richtigen Eigenschaften für das Amt mitzubringen, die er nicht zuletzt bereits als Fußballschiedsrichter schon in jungen Jahren an den Tag gelegt habe. Er sei fair, habe eine klare Linie, könne zuhören und verdiene sich so den nötigen Respekt, „um das Spiel am Laufen zu halten“. Diese Fähigkeiten seien sicher auch im Kreistag von Vorteil. Die Rote Karte gelte es lediglich der AfD zu zeigen, die sich über die Spielregeln hinwegsetzen wolle. „Der Benni ist der richtige Mann auf dem Feld“, betonte Eder.

In der Aussprache forderte Fabian Gruber in einem flammenden Appell Geschlossenheit ein und nahm Benjamin Lettl in die Pflicht, Probleme klar zu benennen, sonst drohe der Landkreis abgehängt zu werden, etwa mit Blick auf die Finanzen der Kommunen. 

Die Wahl leitete im Anschluss Ex-MdL Bernhard Roos, der auch ein Grußwort hielt.

 
 

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